Gipfelsturm! OG Langenthal HÖHER

Der Weg nach Oben.
Auf halbem Weg.
Die Gipfelstürmer

Aus dem Stubenfenster erblicke ich heute den verhangenen Gantrisch. Schwarze, schwere Wolken hängen an seinen Flanken. Über dieses Bilder roher Naturgealt schiebt sich aber ganz deutlich das Bild des Gantrisch des 16. Juni 2012: Ein Gantrisch, wie es ihn sonst nur auf Anssichtskarten gibt.
Versierte Nachrichtenoffiziere haben jetzt folgendes erkannt: 1. Ich bin nicht von Langenthal, denn sonst würde ich den Gantrisch nicht von meiner Stube aus sehen. 2. Es gibt Indizien, dass ich am 16.6.12 auf dem Gantrisch war und scharf kombiniert vermutet man, dass ein Zusammenhang zur OG-Anlass-Serie HÖHER – SCHNELLER – WEITER der OG Langenthal gibt.

Beides kann ich bestätigen. Ich wurde von Andreas Bieri, dem Organisator, als Gast auf die Tour eingeladen. Wie gewohnt aus jurasischen Wäldern und Weiten, den Talflanken um Walenstadt und Luziensteig, Schützengräben und umkäpften Dörfern fiel Andreas schon in der Vorbereitung durch seine Klarheit und Entschlossenheit auf. So war es unumgänglich, dass ich exakt um 0845 vor dem Stade de Suisse – und zwar nicht irgendwo, sondern an einer präzis bezeichneten Stelle – auf vier verschlafene Offiziere in zivil traf. Die kleine Gruppe verschob darauf motorisiert den Bereitschtellungsraum beim Gurnigel Berghaus. Die Wortmeldungen stiegen gleichsam mit den Höhenmetern und beim Morgenkaffee im Berghaus konnte man hatte sich das zu einem zaghaften Gespräch hoch geschauckelt. Dann war aber bald Schluss mit Plaudern. Denn nun brauchten wir die Luft für anderes. Wir verliessen den Gurnigel südlich Richtung Leiterepass. Bevor wir den Pass erreichten, stiegen wir aber in die steile Nordwand des Gantrisch ein. Bereits nach kurzer Zeit konnte man Prognosen betreffend dem Muskelkater am Sonntagmorgen abgeben: Bizeps, Trizeps und Baumuskulatur gehören ja zu den üblichen Verdächtigen. Es gesellten sich dann noch einige dazu. In der teils überhängenden Wand machten wir trotz triefenden Poren die eine oder andere nette Bekanntschaft mit anderen BergsteigernInnen und waren mächtig stolz, als wir das letzte Stück Drahtseil hinter uns gelassen hatten und den Gipfel entgegen stapften. Was sich dort zeigte, kann mit Worten schlecht beschreiben, aber mit einem Klick problemlos angeschaut werden:

Wir genossen die Aussicht, assen den Proviant und ich muss eingestehen, dass ich erleichtert war, als auch die mit den grossen Broten fertig gespiesen hatten, denn ich hatte schon beim Aufstieg, als wir die bewirtete Obernünene-Hütte passierten, eine Vision. Ich hatte das Bild vor mit, auf dem wir gezeichnet vom Klettersteig, aber mächtig stolz auf den Bänken sitzen, ein kühles Bier trinken und Geschichten über längst Vergangenes, erst grad Passiertes und sehnlichst Erhofftes erzählen würden und nichts, aber auch gar nichts auf der Welt würde uns fehlen.
Genau so war es dann auch nach einem rund stündigen Abstieg. Die kurze Zeit auf den Bänken aus grobem Holz hatte diese Prise puren Glücks in sich, zu dem es eigentlich so wenig braucht: Kameraden, eine bestandene Mission und einen Moment der Ruhe. Kühles Bier, Trockenfleisch und Käse sind nicht Voraussetzung für solche Momente. Ich habe sie auch schon hungerig und durstig erlebt. Aber im konkreten Fall hat es sicher nicht geschadet. Ich danke Andreas Bieri für die Einladung, die perfekten Vorbereitungen und die sichere Führung. Den Kameraden Andy Berger, Christoph Kuert, Trix Müller und natürlich auch Andreas Bieri danke ich für die Kameradschaft auf dieser tollen Tour, die ich in bester Erinnerung behalten werde.
Ich hoffe, dass alle, die nicht teil genommen haben, dieses Erlebnis nicht für etwas belangloses oder vergänglicheres geopfert haben.

Hannes Trachsler

Weitere Impressionen gibt es in der Fotogalerie.

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